Stellungnahme Denkmal

Text:

Ein Denkmal, ein Verband, eine Bahnstrecke und die größte Minderheit Europas

Vor fast genau fünfzig Jahren fand die größte europäische Minderheit die der Roma und Sinti zum ersten Mal – auf ihrem ersten Weltkongreß – heraus aus der politischen Sprachlosigkeit. Seit dieser Zeit haben sich Roma und Sinti auf vielfältige Art und Weise organisiert und haben den Kampf für ihre Gleichberechtigung und gegen die nach wie vor allerorts in Europa für sie erlebbare Diskriminierung aufgenommen. Ein wichtiger Meilenstein dieses Kampfes war die Einweihung des Mahnmals für die von den Nazis ermordeten Roma und Sinti in unmittelbarer Nähe zum Reichtstagsgebäude. Dieser Erfolg mußte den Deutschen und ihren Politikern regelrecht abgerungen werden.

Im Jahr 2021 zeigt sich die Aufrichtigkeit der deutschen Politik, die anläßlich der Eröffnung des Denkmals salbungsvolle Worte fand, darin, dass ernsthaft diskutiert wird, ob dieses Mahnmal an einen Genozid nicht zugunsten wirtschaftlicher Erwägungen, es geht um eine Strecke der zur Deutschen Bahn gehörenden S-Bahn, zerstört und verlegt werden dürfe. Der Protest dagegen reicht mittlerweile weit über die Gemeinschaften der Roma und Sinti hinaus.

Wer nimmt nun an den politischen Debatten um die Zukunft eines Mahnmals teil, das an das Blutopfer vor allem von Roma aus den Ländern des Balkans aber auch der schon lange in Deutschland lebenden Sinti erinnert? Und in wessen Auftrag erfolgt dies?

Zu erfahren ist, dass in diese politische Diskussion der Zentralrat der DEUTSCHEN Sinti und Roma eingebunden ist, der wie sein Name es schon ausdrückt, die Interessen von DEUTSCHEN Sinti und Roma vertritt.


Roma aus den Balkanländern leben aber ebenfalls schon seit einer geraumen Zeit in Berlin und ganz Deutschland, weil sie aufgrund von Bürgerkrieg, Krieg und Verfolgung hierher geflohen sind oder weil sie legitimerweise die Freizügigkeit innerhalb der EU für sich in Anspruch nehmen. Sie haben während der Zeit ihres Kampfes um Anerkennung und gegen Diskriminierung und Rassismus eigene Organisationen gegründet, sich sogar in eigenen Dachorganisationen formiert.

Es ist allerhöchste Zeit, dass der deutsche Staat diese Organisationen als politische Partner auf Augenhöhe respektiert und einbezieht. Es ist ebenso an der Zeit, dass der Zentralrat DEUTSCHER Sinti und Roma seinen Vertretungsanspruch für alle Roma (und Sinti) zu sprechen, evaluiert.

Mit dieser Forderung stehen wir Seite an Seite von Roma Trial und allen anderen Selbstorganisationen von Roma, die in den letzten Jahrzehnten hierher nach Deutschland gekommen sind.

Wenn zudem die stattfindenden Verhandlungen zwischen dem Zentralrat, der Deutschen Bahn AG und politischen Vertretern von Land und Bund nicht transparent gemacht werden, vor allem gegenüber uns betroffenen Roma und unseren Selbstorganisationen, muß man sich nicht wundern, wenn Gerüchte den Diskurs in den Communities beeinflussen. Legitimation und Transparenz sind Eckpfeiler einer politischen Kultur (auch des Streites), auf die gerade in Zeiten wie den heutigen nicht verzichtet werden kann.

Für das Rroma Informations Centrum

Milan Raković

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